KIT-Frühlingsakademie 2026: Nachhaltigkeit ganz praktisch

Gruppenbild Exkursion KIT-Frühlingsakademie Nachhaltigkeit. Eucor
10 Jahre EVTZ Jubiläums-Logo

Zwischen Hörsälen, Workshops und angeregten Diskussionsrunden drehte sich am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine Woche lang alles um nachhaltige Entwicklung und Kreislaufwirtschaft. Anlass war die Frühlingsakademie Nachhaltigkeit 2026, die einmal jährlich vom „Studium Generale. Forum Wissenschaft und Gesellschaft (FORUM)“ am KIT zu einem Schwerpunktthema veranstaltet wird. 2026 fand die Frühlingsakademie auch im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums des EVTZ Eucor – The European Campus statt. Studierende und Dozierende der Eucor-Hochschulen widmeten sich mit insgesamt circa 200 Teilnehmenden im Programm der Frühlingsakademie der Frage: Was ist nachhaltige Kreislaufwirtschaft? Nachhaltigkeit blieb dabei kein abstraktes Konzept, sondern wurde in praxisorientierten Workshops für verschiedene Bereiche diskutiert und in Fallbeispielen nachvollzogen. Auch außerhalb der Seminarräume wurden Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft unmittelbar erfahrbar, beispielsweise bei insgesamt 16 Exkursionen. Lea Engelbrecht aus Straßburg hat an einer Exkursion teilgenommen und blickt für uns zurück:

Bei einer der für Studierende angebotenen Exkursionen konnte ich selbst miterleben, wie Konzepte und Zielsetzungen – etwa im Kontext der Pariser Klimaziele – in der Praxis umgesetzt werden. Die angebotenen Veranstaltungen standen hierbei nicht nur Studierenden des KIT offen, sondern waren auch für Studierende der vier anderen Eucor-Universitäten zugänglich. Dies habe ich dann auch genutzt und bin von Straßburg nach Karlsruhe gereist, genauer gesagt zum Karlsruher Rheinhafen, um das Unternehmen CRONIMET zu besuchen und der Frage nachzugehen, wie Kreislaufwirtschaft praktisch vor Ort funktioniert – oder anders gesagt: wie Schrott wieder zurück ins Stahlwerk gelangt.

Der Besuch bei CRONIMET machte deutlich, wie komplex der Weg zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft ist. Das 1980 in Karlsruhe gegründete Unternehmen ist auf Metallrecycling spezialisiert. Aus scheinbar wertlosem Schrott entstehen präzise aufbereitete Rohstoffe. Vor allem Edelstahlschrott wird gesammelt, sortiert und wieder in den Produktionskreislauf zurückgeführt. Die Materialien werden nach ihren Qualitäten getrennt, je nach Bedarf zerkleinert oder in eine bestimmte Form gebracht und schließlich an Stahlwerke oder Gießereien weitergegeben, wo sie zu „neuem“ Edelstahl recycelt werden. So ist CRONIMET Teil einer Wertschöpfungskette, die darauf abzielt, Ressourcen möglichst lange zu nutzen.

Exkursion zu CRONIMET

Die Exkursion gliederte sich in drei Teile: Zunächst wurden den Studierenden von Dr. Michaela Lindemann, Innovations- und Technologiemanagerin, die grundlegenden Zusammenhänge des Metallrecyclings und der Aufbereitungsprozesse bei CRONIMET erläutert. Ausgerüstet mit diesen Informationen und Fragestellungen für den Rundgang ging es dann auf das Lager, um die besprochenen Aspekte in der Praxis zu beobachten. Nach dem Rundgang folgte dann ein Überblick über das Nachhaltigkeitsprogramm und ein Einblick in die Umsetzung eines solchen Programms anhand der Vorstellung bereits umgesetzter und geplanter Maßnahmen.

Dem Konzept des Recyclings liegt ja bereits ein Nachhaltigkeitsgedanke zugrunde, aber die Frage nach nachhaltiger Entwicklung stellt sich natürlich auch in Bezug auf den Umgang mit Energie und Ressourcen im eigenen Betrieb. Am Standort Karlsruhe setzt CRONIMET auf ein Energiemonitoring-System, die schrittweise Elektrifizierung von Maschinen und Fahrzeugen sowie auf langfristige Klimaziele. Während der Exkursion konnten die Studierenden nicht nur theoretische Einblicke in das Nachhaltigkeitsprogramm gewinnen, sondern auch zwei rein elektrisch betriebene Bagger vor Ort in Aktion beobachten.

Metallrecycling: von Schrott zu aufbereiteten Rohstoffe

Wie Isabelle Nischk, Innovations- und Projektmanagerin für die Elektrifizierung, und Katharina Schmidt, verantwortlich für die Klimastrategie, erklärten, bringt die Elektrifizierung mehrere strategische Vorteile mit sich: Umweltschutz ist sowohl eine interne Priorität als auch ein zunehmend geforderter Standard von Kund*innen und Endverbraucher*innen. Gleichzeitig erhöht die Umstellung auf elektrisch betriebene Maschinen die Lebensdauer der Geräte deutlich. „Verglichen mit unseren bisherigen Maschinen mit Dieselmotoren halten elektrisch betriebene Bagger doppelt so lange“, erläuterte Isabelle Nischk anschaulich. Außerdem räumten die Expertinnen mit dem Vorurteil auf, dass umweltfreundliche Technologien zwangsläufig höhere Kosten verursachen. Das Gegenteil ist der Fall: durch die längere Lebensdauer und geringeren Betriebskosten lassen sich langfristig Kosten sparen.

Die Exkursion bei CRONIMET ermöglichte den Teilnehmenden der Frühlingsakademie die betrieblichen Abläufe aus nächster Nähe zu beobachten und ihre Fragen direkt vor Ort zu stellen. Auf diese Weise wurde deutlich, wie Konzepte wie Kreislaufwirtschaft und Energieeffizienz in der Praxis umgesetzt werden und welche verschiedenen Faktoren dabei eine Rolle spielen. Durch anwendungsorientierte Exkursionen wie diese, zusammen mit den wissenschaftlich verankerten Workshops und den interaktiven Diskussionsrunden ermöglichte die Frühlingsakademie Nachhaltigkeit am KIT einen Zugang zur komplexen Frage nach einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft.

Von Lea Engelbrecht

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